Pedalritter auf Mallorca – raus aus dem Ferienhaus und rein in die Serpentinen
Im Frühling und im Herbst schwingen sie sich auf den Sattel und treten in die Pedale, was das Zeug hält. Wunder Po, ziehende Waden: Die ehrgeizigen Radtouristiker auf Mallorca kennen keinen Schmerz. Die größte der Baleareninseln ist auch für Pedalritter stets eine Reise wert, um die Insel zu erkunden und Serpentinen zu meistern. Ich kann ein Lied davon singen, wenn die Ketten krachen.
Wer mit seinem gut verpackten Drahtesel am Flughafen in Palma landet, hat sein Ziel bereits schon vor Augen: Den größten Teil des Urlaubs auf der Straße zu verbringen und ins Schwitzen kommen – mit dem Energiedrink griffbereit und dem Bestreben, allein oder in der Gruppe Kilometer zu machen. Für die „Strategen der Strecke“ ist keine Kurve zu steil, keine Serpentine zu kurvig, kein Ort zu weit.
Vorwiegend im Frühjahr und im Herbst sind die Radler auf Mallorca unterwegs und planen ihre Touren durch die Berge und das Flachland von einem günstigen Standpunkt aus. Viele von ihnen sind ohne Zweifel Individualurlauber. Sie mieten eine Ferienwohnung, ein Ferienhaus oder eine Finca und unternehmen von dort ihre „Reise auf dem Sattel“.
Beliebt und fast ein Muss ist die Strecke nach Randa. Die Etappe führt auf ein schönes Gipfelplateau in rund 540 Metern Höhe. Okay, es gibt höhere Berge im Tramuntana-Gebirge, das sich von West nach Nord an der Insel entlang zieht. Doch Randa ist landschaftlich schön, denn es verbindet Aktivurlaub mit einem Schuss Kultur. Wer nämlich die fünf Kilometer Serpentinen geschafft hat, gelangt zu drei Klöstern, die eine stattliche Zahl an Jahrhunderten in den Mauern verbergen. „Nuestra Senyora de Cura de Randa“ ist eine der „betagtesten“ Wallfahrtsstätten auf Mallorca und stammt aus dem 13. Jahrhundert. Ramon Llull, bekannter Sohn Mallorcas, verbrachte hier als Einsiedler zur Zeit der Entstehung des Klosters zehn Jahre seines Lebens, studierte Arabisch, verfasste wichtige Schriften und gründete eine Lateinschule für angehende Missionare. Radtouristiker lernen hier anderes: die schöne Insel zu genießen, denn sie blicken bis zur Bucht von Alcudia und Palma. Und werden möglicherweise dabei inspiriert, die nächste Exkursion auf dem Drahtesel in Angriff zu nehmen. Zu einem Ziel, das man von Randa aus zumindest gut sehen kann, liegt es auch in weiter Ferne.
Attraktiv im Osten gestaltet sich für Aktivurlauber, die mit dem Rad unterwegs sind, der Berg San Salvador zwischen Felanitx und Porto Colom. Dort sind die Radfahrer gleich in bester Gesellschaft, denn im Kloster sind einige Trikots ausgestellt, die der Weltmeister Guillermo Timoner in den Jahren 1955 bis 1965, allerdings im Steherrennen, ergatterte. Der Blick auf das Tramuntana-Gebirge, natürlich den südöstlichen Teil der Insel und bei gutem Wetter bis zur Insel Cabrera ist eine Radler-Reise und eine schwitzende Prozedur schon wert.
Der Renner unter den Touren ist natürlich das Tramuntana-Gebirge. Wer gut in Form ist, nimmt die zahlreichen Strecken in Angriff, die zwischen Schluchten auf der einen Seite und Gebirgsmassiven auf der anderen Seite eine Landschaft versprechen, die alpinem Ambiente ohne Zweifel recht nahe kommt. Aber: da traue ich mich nicht hin.
Andrea Richter
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